Das folgende Skriptum stellt Arbeitsunterlagen zur Vorlesung dar,
und soll als Erleichterung bei der Konsumierung des Vorlesungsstoffes dienen.
Es stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und auch nicht auf selbstständige
didaktische Aufarbeitung. Demnach sind wohl alle wichtigen Definitionen
und Sätze enthalten, aber kaum Beweise und Beispiele. Der verbindende
Text ist auf ein Minimum gehalten, teilweise, wie z.B. bei der Behandlung
der mathematischen Grundlagen, ist oft der Inhalt alleine durch die Abfolge
von Definitionen und Sätzen bereits eindeutig festgelegt. Allerdings
sind an einzelnen Stellen dann entsprechende Bemerkungen hinzugefügt,
um komplexe Zusammenhänge leichter verständlich zu machen. Zur
leichteren Kenntlichmachung wurden Symbole fett gedruckt wenn hervorgehoben
werden soll, daß sie Objekte bezeichnen die Elemente eines Vektorraumes
sind, hingegen kursiv gedruckt wurde, wenn hervorgehoben werden
soll, daß sie Objekte bezeichnen die als lineare Operatoren wirken.
Am Anfang stehen die Beobachtungen (Wahrnehmungen). Man versucht,
diese auf einer höheren Abstraktionsebene zueinander in Beziehung
zu setzen, Querverbindungen zu schaffen. All diese Querverbindungen werden
letztlich zu einem Modell zusammengefaßt, welches auch als Konsequenz
Vorhersagen für neue Beobachtungen (und neue Querverbindungen) liefert.
Diese können dann durch gezielte Beobachtungen verifiziert oder falsifiziert
werden. Viele kleinere Modelle können durch höhere Querverbindungen
zu übergreifenden Modellen verbunden werden, wobei man sich meist
zu immer höheren Abstraktionsstufen (bezogen auf die Ebene der unmittelbaren
Beobachtung) entfernt. Entscheidende Voraussetzung für ein Modell
ist seine logische Widerspruchsfreiheit. Das naturwissenschaftliche System
beinhaltet, daß ein Modell nie bewiesen, aber durch Beobachtungen
falsifiziert werden kann.
Um möglichst hohe logische Widerspruchsfreiheit zu erreichen, versucht man die meisten Beobachtungen und ihre Querverbindungen in die Mathematik abzubilden, um dort basierend auf der formalen Logik, möglichst axiomatisch das Modell aufzubauen. Dies reflektiert auch der formale Aufbau dieses Skriptums wieder, welches aus Definitionen (Axiome, können nicht bewiesen werden) und Sätzen (Konsequenzen und logische Verknüpfungen der Axiome, müssen bewiesen werden) besteht.
Die heutige Behandlung der Symmetrien (zum Beispiel mit Hilfe der Gruppentheorie)
ist ein Beispiel dieser naturwissenschaftlichen Vorgangsweise, welche durch
die recht starke Abgrenzung des Begriffes Symmetrie (wie er hier verstanden
werden soll) in recht einfacher Weise aufgezeigt werden kann. Symmetrien
wurden schon immer als Hilfsmittel des Verstehens verwendet und beinhalten
zunächst in einfachster Form die starke Trennung zwischen Gleichem
und Gegensätzlichem.
stammt aus dem Griechischen: "sum" und
"metros" was soviel wie "mit Maß" oder
"wohlproportioniert" heißen soll. Was genau darunter verstanden wird,
hat sich mit der Zeit geändert. Auch heute hat der Begriff in Kunst,
Kultur, Sprachgebrauch und Naturwissenschaften unterschiedliche Bedeutung.
Wie schon sehr früh versucht wurde, durch Symmetrie das Leben zu
verstehen, zu ordnen bzw. zu Entscheidungen zu gelangen, zeigen Rituale
und Kultgegenstände früher Kulturen. Motiviert war dies wahrscheinlich
durch die regelmäßig ablaufenden Naturereignisse (wie z.B. Tag-Nacht,
Jahreszeiten, Sternbilder, Periode der Säugetiere, etc.) mit denen
man möglichst in Einklang sein mußte um zu überleben. Zusammen
mit der Fähigkeit des Sehens Muster zu erkennen, entwickelte sich
wohl die auf geometrischen Figuren aufbauenden Bilder von Naturvölkern.

Ein weiteres Beispiel, findet man in der Kultur der Jina aus indischem
Einflußgebiet. In ihrem Weltbild errichten die Götter jedem
Jina ein sogenanntes Samavasarana, in deren Mittelpunkt der Jina sitzt
und meditiert. (Die Jinas haben ihr Weltbild, Kalpasutra, in Miniaturen
wiedergegeben, welche erst ab dem 15. Jahrhundert eindeutig belegt sind.)
Im Original des Samavasarana umgeben drei Ringmauern den runden oder quadratischen
Zentralplatz. Die Mauern haben jeweils vier Tore entsprechend der Himmelsrichtungen.
Bereits sehr früh wurden auch detaillierte Naturvorstellungen mit
geometrischen Anwendungen verbunden. Im "Buch der Wandlungen" (I. Ching,
8. Jhdt. v. Chr.) werden bereits vier naturphilosophische Gegensatzpaare
von Kräften und Elementen beschrieben, welche durch acht spiegelungssymmetrisch
angeordnete Trigramme symbolisiert werden (Abb.1.4). Dies ist auch in Münzform
erhalten.

Abb.1.5: "Ars magna" von Raimundus Lullus, Spätmittelalter
Ein recht spätes Beispiel aus dem Mittelalter soll illustrieren,
daß auch in unserem Kulturkreis bis vor kurzem kabbalistische Spekulationen
mit Symmetrien stattgefunden haben und damit nicht nur der Mystik ferner
Frühkulturen vorbehalten ist. In Abb.1.5 ist die "Ars magna" des von
Leibnitz sehr geschätzten katalanischen Philosophen Raimundus Lullus
gezeigt.
Die chinesische Kultur verwendet die Symmetrien in ihrer eigenen Art
des Yin und Yang, wie wir sie schon in Abb.1.4 zur Beschreibung der Natur
vorgefunden haben. Nach einer späteren Deutung in der "großen
Abhandlung" (Ta Chuan) gehen diese Symbole auf die Dualität von Licht
und Dunkel zurück. Auch in der chinesischen Kultur werden diese Symbole
und Symmetrien für Erkenntnisgewinn und Entscheidungshilfen eingesetzt.
Dies kommt am besten in den Wen-Ordnungen zum Ausdruck, von denen eine
in Kreis- und Quadratdarstellung (Fu-Hsi-Ordnung) in Abb.1.6 gezeigt ist.
Die Pfeile zeigen an, in welcher Richtung die Wen-Ordnung zu lesen ist.
Def. 1.1 Isometrie: räumliche und/oder zeitliche
Wiederholung gleicher (identischer) Elemente (isos
= gleich im Sinne von identisch)
Abb.1.7: Verschiedene Ornamente mit Isometrie
Bemerkung: Isometrie besteht aus Translationssymmetrie
(ähnlich wie der Aufbau des Festkörpers). Bei den Ornamenten
(eindimensionale Translationsgruppe) können die Translationen mit
weiteren Symmetrieoperationen kombiniert werden. Dies führt zu den
7 verschiedenen Friesgruppen (entspricht den Raumgruppen beim Festkörper).
In Abb.1.7 sind diese Friesgruppen dargestellt: 1) reine Translation um
Translationsvektor a, 2) Tranlation und Spiegelung um Längsachse,
3) Translation und Spiegelung um Querachse, 4) Translation und Inversion
(Drehung um 180° ), 5) Kombination der Friesgruppen
1, 2, 3 und 4, 6) Translation und Gleitspiegelung, 7) Kombination der Friesgruppen
3, 4 und 6.
Def. 1.2 Homöometrie: räumliche und/oder zeitliche Wiederholung gleichartiger (ähnlicher) Elemente (omeos = gleichartig)
Abb.1.8: Homöometrie
Def. 1.3 Antisymmetrie: Anordnung von gegensätzlichen
Elementen, Art von Gegensymmetrie, Umkehrsymmetrie oder Schwarz-Weiß-Symmetrie.
(jedoch nicht asymmetrisch) (Bsp. Antiferromagnetismus)

Abb.1.10 Farbsymmetrie der Fische (Escher)
Bemerkung: In der belebten Natur, sind meist nie irgendwelche Symmetrien vollständig gegeben. Diese geringen Abweichungen machen aber meist den Reiz oder Spannung aus (Nachempfunden in der Kunst). Symmetriebrechung macht überhaupt erst die Evolution und Entwicklung des Lebens möglich, im Gegensatz zu starrer Kopie (Klonen) .
Abb.1.13: Symmetriebrechung in der Duplizierung der DNS (Mutationen)
In den Naturwissenschaften war schon immer das Bestreben gegeben,
durch Symmetrien zu Verständnis zu gelangen. Dies war z.B. bei Platon
mit den 5 Platonischen Körpern zur Charakterisierung von Feuer (Tetraeder),
Erde (Würfel), Luft (Oktaeder), Wasser (Ikosaeder) und des Universums
(Dodekaeder) zu erkennen.
(Eine Erweiterung bekommt man, wenn man auch die in letzer Zeit stark diskutierten Fullerene betrachtet, welche aus 5 und 6-Ecken aufgebaut sind. Die Bezeichnung geht auf den Architekten zurück, der solche Konstruktionen verwendete.)
Auch Kepler versuchte mit Hilfe von Symmetrien und dem Ineinanderschachteln
von den regelmäßigen Körpern Erkenntnis zu gewinnen und
wollte die Daten von den Umlaufbahnen der Planeten aus den geometrischen
Körpern ableiten.
Abb.1.16: Das Keplermodell
Satz 1.1 Noether-Theorem: Wenn die Variation dW eines Integrals W Null ist, und wenn diese Variation invariant gegenüber der kontinuierlichen Transformation mit r Parametern ist (Gruppe Gr), dann gibt es genau r Erhaltungssätze.