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Supraleitung ist neben der Suprafluidität (Strömen von Flüssigkeiten
ohne Reibung) ein besonders faszinierendes quantenmechanisches Phänomen,
steht sie doch in scheinbarem Widerspruch mit der üblichen Erfahrung,
daß kein Bewegungsvorgang verlustfrei ablaufen kann. Im Mikrokosmos
ist ja bekannt, daß z.B. die Elektronen in der klassischen Interpretation
quasi verlustfrei den Atomkern umrunden. Daß dies auch makroskopisch
möglich ist entdeckte bereits 1911 Kamerlingh Onnes in Quecksilber,
allerdings bei der Temperatur von 4K (-269?C). Für die Entdeckung
einer neuen Klasse von keramischen Kupferoxiden mit Supraleitung bei relativ
hohen Temperaturen (zunächst 35K (-238°C), später 133K (-140°C))
war Bednorz und Müller im Jahr 1987 der Nobelpreis zuerkannt worden
Supraleitung: Wie funktioniert das?
Ein anschauliches Verständnis der Supraleitung ist mit dem Verständnis
der Quantenmechanik verbunden. Die Quantenmechanik vereint das Wellenbild
der Physik mit dem Teilchenbild. Auch ein Fahrzeug auf der Autobahn hat
Wellencharakter, nur ist die Wellenlänge so klein im Vergleich zu
den umgebenden Abmessungen, daß typische Wellenerscheinungen wie
Beugung und Interferenz nicht beobachtet werden. Das Elektron im Atom hingegen
besitzt eine Wellenlänge vergleichbar mit den Atomabmessungen. Deswegen
kann das Elektron nur auf gewissen Bahnen den Atomkern umkreisen, weil
nur auf diesen Bahnen ein Vielfaches seiner Wellenlänge in den Umfang
der Bahn paßt und somit das Elektron nicht weginterferieren kann.
Jede dieser möglichen Bahnen entspricht einer bestimmten Energie.
Damit kann das Elektron auch nicht einfach kontinuierlich Energie aufnehmen
oder abgeben, sondern immer nur soviel, um von einer Bahn in eine andere
zu gelangen. Dadurch ist die Bewegung in den Bahnen sozusagen "reibungsfrei",
weil Energie nicht mehr kontinuierlich verloren werden kann.
Im Supraleiter sind die Verhältnisse sehr ähnlich. Bei Temperaturen
über der Sprungtemperatur ist der Supraleiter ein normales Metall.
Die Elektronen sind nicht wie im Atom auf einzelne Energien (Bahnen) beschränkt,
sondern können innerhalb eines erlaubten Bereiches, dem Energieband,
beliebig Energie aufnehmen und auch wieder abgeben; dies entspricht der
normalen elektrischen Leitung und die mögliche kontinuierliche
Energieabgabe macht sich als elektrischer Widerstand bemerkbar. Die Elektronen
besitzen die Tendenz Paare zu bilden, z.B. über die gemeinsame Anziehung
zu den positiv geladenen Atomkernen. Die Bindungsenergie ist dabei recht
klein, sodaß bei hohen Temperaturen die Paare sofort zerstört
werden. Kühlt man hingegen den Supraleiter unter seine Sprungtemperatur
ab, so sind sogenannten Cooperpaaaren. Diese besitzen ähnlich den
Elektronen im Atom eine genaue Energie und sind durch ihre Bindungsenergie
von den normalen Elektronen getrennt. Dadurch können sie nicht mehr
kontinuierlich Energie abgeben und der elektrische Widerstand verschwindet.
Warum schweben Supraleiter?
Die Cooperpaare sind im Supraleiter für den verlustfreien Stromtransport
verantwortlich. Bringt man sie in ein magnetisches Feld, so passiert, was
in jeder geschlossenen Metallschleife stattfindet: es wird eine Strom induziert
der dem magnetischen Feld entgegenwirkt. Die Metallschleife oder der Supraleiter
stößt sich daher vom Magneten ab. Im Supraleiter fließt
dieser Strom beliebig lang, er schwebt daher über dem Magneten bis
er durch Erwärmung über die Sprungtemperatur seine Supraleitung
verliert. Supraleiter können aber viel mehr! Wird nämlich der
Supraleiter auch im Magnetfeld unterhalb die Sprungtemperatur abgekühlt,
so wird ein supraleitender Strom erzeugt, welcher dem Magnetfeld entgegenwirkt
und der Supraleiter von einem Magneten abhebt und dann schwebt. Dies wird
Meissner-Effekt genannt im Gegensatz zum vorher beschriebenen Shielding-Effekt.
Ursache dafür ist, daß im Magnetfeld keine ruhenden Cooperpaare
gebildet werden. Die normalen nicht gepaarten Elektronen besitzen eine
Geschwindigkeitsverteilung. Im Magnetfeld paaren sich Elektronen mit nicht
genau gegensätzlicher Geschwindig-keit, wodurch das Cooperpaar selbst
eine Restgeschwindig-keit besitzt. Im Magnetfeld wird dieses bewegte Cooperpaar
auf eine Kreisbahn abgelenkt, was einem Kreisstrom entspricht der dem Magnetfeld
entgegenwirkt. Dadurch versucht der Supraleiter das Magnetfeld zu verdrängen
und stößt sich vom Magneten ab.
Versuch: elektrischer Widerstand

Der elektrische Widerstand wird laufend gemessen und in m? angezeigt.
Durch drücken der Taste "Kühlen" wird flüssiger Stickstoff
in ein doppelwandiges Glasgefäß gepumpt. In diesem befindet
sich eine Probe des Hochtemperatursupraleiters (HTc-Probe). Wenn die HTc-Probe
im flüssigen Stickstoff untertaucht, sollte der elektrische Widerstand
sehr klein sein. Durch Loslassen der Taste "Kühlen" beendet man das
Befüllen mit flüssigem Stickstoff und beobachtet beim langsamen
Erwärmen der HTc-Probe, wie der elektrische Widerstand bei Erreichen
der Sprungtemperatur plötzlich ansteigt. Das Aufwärmen kann mit
Hilfe eines Föns, der mit der Taste "Heizen" aktiviert wird, beschleunigt
werden.
Die Messung des elektrischen Widerstandes erfolgt mit Hilfe der Lock-In
Technik. Dabei wird ein kleiner Wechselstrom durch die HTc-Probe geschickt
und nur Spannungen, welche im richtigen Phasenverhältnis zum Wechselstrom
stehen, werden für die Widerstandsmessung verwendet. Dadurch wird
eine Meßgenauigkeit von ca. 10-3 m? erreicht. Die Temperatur
wird aus dem elektrischen Widerstand eines Platindrahtes ermittelt.
Versuch: Magnetschwebebahn

Durch drücken der Taste "Kühlen" wird flüssiger Stickstoff
in den Styroporbehälter gefüllt bis die darin befindliche Probe
des Hochtemperatursupraleiters (HTc-Probe) im flüssigen Stickstoff
untertaucht. Dadurch befindet sich die HTc-Probe im supraleitenden Zustand.
Durch Drücken der Taste "Start" wird die HTc-Probe auf das Magnetband
befördert, wo sie dann in geringem Abstand schwebend, nur durch den
Luftwiderstand gebremst, über die Bahn dahingleitet. Wenn die HTc-Probe
durch Erwärmung ihre Supraleitung verliert, bleibt sie auf der Bahn
liegen und wird von einem Schieber automatisch zurück in den Styroporbehälter
befördert. Durch Drücken der Taste "Exzenter" kann die Form der
Bahn verändert werden.
Versuch: Meissner Effekt

Durch drücken der Taste "Kühlen" fließt flüssiger
Stickstoff auf eine Probe des Hochtemperatursupraleiters (HTc-Probe), welche
sich auf einem Magneten befindet. Wird dabei die HTc-Probe unter ihre Sprungtemperatur
abgekühlt so setzt Supraleitung ein und die HTc-Probe hebt vom Magneten
ab und schwebt. Durch vorsichtiges Kühlen kann dieser Schwebezustand
aufrecht erhalten werden. Wärmt die HTc-Probe über die Sprungtemperatur
auf, so verliert sie ihre supraleitenden Eigenschaften und sinkt zurück
auf den Magneten.